Lebensbedingungen mitgestalten: Wunschvorstellung oder Realität?

Zusammen mit meinen Kindern habe ich mich für ein paar Wochen ins Homeoffice und ins Homeschooling zurückgezogen, um einem möglichen Ansteckungsrisiko zu entgehen. In den gemeinsamen Pausen – denn Tagesstrukturen sind wichtig – wird rege diskutiert und ausgetauscht über den Inhalt ihrer Lektionen und den Inhalt meiner Lektionen, die ich zum Thema Public Health am Vorbereiten bin. Dabei entstand die Frage, was denn alles Einfluss hat auf unsere Gesundheit. So kamen wir im Gespräch auf die Hauptdeterminanten der Gesundheit zu sprechen. Diese Hauptdeterminaten (Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit) wurden nach Dahlgren & Whitehead (1991) wie folgt definiert:


Lebensbedingungen mitgestalten

Wir haben besprochen, dass es neben den individuellen Verhaltensweisen eben immer auch die Lebensbedingungen sind, die Einfluss auf die Gesundheit haben. Und diese Lebensbedingungen sind nicht alle einfach gegeben, wir können sie mitgestalten, indem wir Berufe lernen, bei welchen es systemrelevante Fachkräfte braucht, uns politisch positionieren oder aber unser Konsumverhalten gezielt planen, indem wir beispielsweise möglichst regionale Produkte ohne lange Transportwege einkaufen.


Wirtschaftliche Folgen und Hygienekonzepte

Besonders bedrückend im Angesicht der Corona-Pandemie erscheint die Frage, wie sich unsere Lebensbedingungen verändern, wenn die Wirtschaft kollabieren würde. Arbeitslosigkeit und folglich Armut hätten einen gravierenden Einfluss auf die Lebensbedingungen und würden auch die Finanzierung eines intakten Gesundheitswesens beeinträchtigen.


Wie kann man dem entgegenwirken in einer Gesellschaft, in der einige über ein sicheres Einkommen verfügen (wie wir aus der Pflege) und andere durch den Shutdown in existentielle Nöte geraten? Gerne würde man aktuell aus Angst gar kein Geld ausgeben, doch gerade jetzt ist es zentral, dass für gute Ernährung (Lebensmittelproduktion), Gesundheit, Bildung, Sicherheit oder gute Wohnverhältnisse Geld investiert wird und dadurch antizyklisch die Wirtschaft angekurbelt wird.

Eine sichere und schrittweise Lockerung des Lockdowns in Richtung Normalität wird im Moment aufgrund der epidemiologischen Zahlen in Angriff genommen (BAG, 2020). Dabei spielen einerseits branchenspezifische Hygienekonzepte und auf der anderen Seite ganz praktische Fragen, wie das effiziente und hygienisch korrekte An- und Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung in angemessener Zeit, eine entscheidende Rolle. Gerade dieser Punkt wird für viele Unternehmen eine Herausforderung darstellen.

Fragen zur Hygiene gehören für uns Pflegende auch ohne Corona-Pandemie zum normalen Tagesgeschäft. Welche Hygienerichtlinien kommen zur Anwendung? Welche Anforderung muss eine Maske erfüllen? Wie muss ein optimaler Lagerbestand bewirtschaftet werden?


Was braucht es für die Zukunft?

Wir müssen lernen mit bedrohlichen Viren zu leben und die Expertise der Pflege innerhalb und ausserhalb des Gesundheitswesens zu nutzen. Denn wir dürfen uns nicht von der Angst überwältigen lassen, bis die Wirtschaft kollabiert.

Die aktuellen Herausforderungen erfordern eine koordinierte Zusammenarbeit aller involvierten Akteure ausgerichtet auf die Determinanten der Gesundheit. Denn wir wissen, dass auch bei einer zweiten Welle Social Distancing, Händehygiene (waschen, desinfizieren), Masken und Oberflächendesinfektion die Ansteckung verhindern können. Weiter braucht es mentale Stärke und Durchhaltwille auf dieser Gratwanderung zwischen «Lockdown» und «Schrittweiser Lockerung».

Es lohnt sich in Zukunft in die Aus- und Weiterbildung von Pflegenden zu investieren, um damit dem Fachkräftemangel im Bereich der Pflege entgegenzuwirken.


Was wir brauchen sind genug fachlich ausgebildete Persönlichkeiten, die einer Pandemie die Stirn bieten können.


Monika Mannhart

Dipl. Gesundheits- und Pflegeexpertin FH Lehrperson Fachbereich Weiterbildung

Monika Mannhart, April 2020

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