Home als Ausbildungsstätte?

Aktualisiert: Nov 5

Die Ausbildung beginnen, aber nicht wie geplant am Campus, sondern zu Hause für sich alleine? Wie das zwei Studierende erlebt haben, wie Sie die Ausbildung jetzt wahrnehmen und wie Sie sich Ihre Zukunft vorstellen, erfahrt Ihr in diesem Interview.

Beide Studentinnen sind im Frühlingssemester während des Lockdowns gestartet. Alumni BZ Pflege hat im August mit den beiden Studentinnen gesprochen. Das Interview führte Viola Branch, Pflegefachfrau und Vorstandsmitglied.

Erzählt uns doch kurz, was habt ihr vor dem Studium am BZ Pflege für eine Ausbildung absolviert und für einen Beruf ausgeübt?

Zita: Ich bin ausgebildete Kosmetikerin. Die letzten 12 Jahre durfte ich mit grosser Freude und Hingabe Vollzeit-Mama sein. Was mich voll und ganz ausgefüllt hat.

Verena*: Ich habe als Medizinische Praxisassistentin gearbeitet.

Ihr habt euch für eine Ausbildung zur Pflegefachfrau am Berner Bildungszentrum Bern entschieden? Was waren die Beweggründe?

Zita: Ich muss etwas ausholen. Erstens fühlte ich mich (schon länger) den Menschen hingezogen. Wie funktioniert er, wie «tickt» er, was sind seine Bedürfnisse, wo kann ich unterstützen, helfen, Lösungen finden? Durch eine gute Freundin (die leider an eine Essstörung leidet) hatte ich das Glück eine ambulant arbeitende Pflegefachfrau kennenzulernen. Durch diese Begegnung entdeckte ich, was mein nächster Beruf werden könnte. Nebenbei habe ich mich bei der Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen «Selbsthilfe Bern» (www.selbsthilfe-be.ch) als Begleitung/Moderation engagiert. Durch diese Treffen mit Betroffenen und Angehörigen habe ich erfahren, wie spannend und bereichernd es sein kann, Menschen zu begleiten und zu unterstützen, die sich in Krisensituationen befinden.

Zweitens: ich bin Litauerin und für jedes beliebige Studium brauche ich einen Nachweis der Deutschen Sprache (Goethe-Zertifikat; Sprachdiplom). Das ist nervenraubend und zeitaufwändig. Das Berner Bildungszentrum Pflege hat mir ermöglicht, den Deutschtest intern zu machen. Im Rahmen eines Projektes «Begleitprogramm für Migrantinnen und Migranten» wurde meine Deutschkenntnisse geprüft. Dadurch ist mir der einfache Einstieg in den Regelstudienbetrieb möglich geworden. Darum habe ich das Studium am BZ Pflege im Frühling 2020 begonnen.

Verena: Bei mir ist es so, dass ich schon immer Pflegefachfrau werden wollte. Das ist mein Traumberuf.


Welche Pflegerichtung interessiert euch am meisten (Langzeitpflege, Kinder/Familie, somatische Pflege, Psychiatrie) und warum?

Zita und Verena haben sich beide für den Psychiatrischen Ausbildungsfokus entschieden.

Zita: Die Arbeit in der Selbsthilfegruppe mit psychisch erkrankten Menschen hat mich berührt. Ich wünsche mir, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrem gewohnten Umfeld Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen können und so frühzeitig eine kommende Krise abgewendet und ein stationärer Aufenthalt vermieden werden kann.

Verena: Ich möchte meine bestehenden Kenntnisse als Med. Praxisassistentin, die mehrheitlich die körperlichen Krankheiten und das anatomisch/physiologischem Wissen betreffen, ergänzen mit Kenntnissen der Psychiatrie. Das ist für mich eine interessante und passende Kombination der Fachgebiete.

Hast du bereits eine Idee, wo du nach der Ausbildung arbeiten möchtest?

Zita: Ich stelle mir vor, nach meiner abgeschlossenen Ausbildung in der Ambulanten Psychiatriepflege tätig sein. «Home Treatment» nennt sich die neue Behandlungsmethode der psychiatrischen Akutbehandlung, die zu Hause statt stationär in der Klinik stattfindet. In mehreren Regionen der Schweiz wird dies bereits erfolgreich angeboten. Auf jeden Fall soll es eine Betreuungs- und Begleitform sein, bei welcher ich Patientinnen und Patienten in deren Zuhause pflegen kann.

Verena: Hm, ich bin mir noch nicht sicher. Ich kann mir verschiedene Bereiche und Orte vorstellen. Zum Glück erhalte ich durch verschiedene Praktika Einblicke in unterschiedliche Institutionen und Berufsfelder der Pflege. Es ist also noch offen und ich habe ja auch noch Zeit herauszufinden, wo ich arbeiten möchte.

Ihr hattet einen aussergewöhnlichen Start ins Studium. Ihr habt die Ausbildung wegen der Corona-Pandemie mit Fernunterricht begonnen. Wie habt ihr diesen Einstieg erlebt? Was waren die grössten Herausforderungen?

Zita: Tatsächlich war es speziell, so zu starten. Ich habe mir einen Plan erstellt und mit meiner Familie klare Abmachungen getroffen, so dass ich Ruhe und Zeit hatte zum Lernen. Dadurch ist mir der Start ins Studium trotzdem recht gut gelungen.

Schwieriger fand ich, dass ich mich nicht mit anderen aus der Klasse austauschen konnte. Mit anderen Studierenden zu kommunizieren und eine Beziehung aufzubauen, das hat mir sehr gefehlt! Ich habe gewünscht, dass ich mit anderen vom Studiengang Kontakt aufnehmen kann, wurde aber leider vom BZ Pflege nicht unterstützt. Ich fühlte mich mit diesem Anliegen nicht ernst genommen. Das war schon sehr schade. Ich habe es dann selber in die Hand genommen und mich über die Moodle Plattform mit anderen Studierenden vernetzt.

Verena: Die Menge der Aufträge war überwältigend. Ich habe mich wirklich verloren gefühlt und hätte am liebsten alles hingeschmissen. Ich fühlte mich nicht unterstützt. Es war schwierig für mich, zu Studienbeginn gleich so viel Selbststudium zu bewältigen und die erforderliche Selbstdisziplin aufzubringen. Zum Glück habe ich es durchgestanden. Und ja, auch mir hat der Austausch mit der Klasse sehr gefehlt.

Wie ist es nun, wo du wieder vor Ort Unterricht hast, was sind die Vor- oder auch Nachteile gegenüber dem Fernunterricht (Distance Learning)?

Zita: Ich habe mir den Unterricht am Campus so vorgestellt, wie es nun ist. Ich fühle mich am BZ Pflege und in der Klasse wohl. Der Nachteil? Ich lernte daheim in meinem eigenen Tempo und konnte meine Zeit selbst einteilen. Das ist im Präsenzunterricht leider nicht mehr der Fall. Ich muss früh morgens pünktlich aus dem Haus und den Zug erwischen. Abends und Wochenende sitze ich noch am Computer, weil ich den Stoff vom Unterricht und was liegen geblieben ist, aufarbeiten möchte.


Verena: Ich war erleichtert, als der physische Unterricht wieder möglich wurde. Der direkte Austausch hilft enorm im Lernprozess und die Anwesenheitspflicht bringt eine Verbindlichkeit, die wichtig ist, um ein Ziel zu erreichen.

Was denkst du, werden für dich die grössten Herausforderungen während der Ausbildung sein?

Zita: Die Ansprüche an mich selbst! Ja doch, darin sehe ich eine der grössten Herausforderungen – meinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Das bereitet mir eigentlich am meisten Sorgen. Aber auch die Ausbildungsjahre ohne "Corona-Bonus". Diese bringen bestimmt auch noch einige Herausforderungen mit sich.

Verena: Die eigenen Erwartungen zu erfüllen, wird auch für mich eine Herausforderung sein. Aber auch die schulischen Anforderungen, in jedem kommenden Ausbildungsjahr wird mehr erwartet.

Was hat dich bisher besonders an der Ausbildung gefreut oder worauf freust du dich am meisten?

Zita: Ich mag die Herausforderung und freue mich darauf, Neues zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Mir ist jetzt wichtig, eins nach dem anderen anzugehen, den Fokus nicht allzu sehr auf die Zukunft zu legen.

Verena: Ich bin etwas zurückhaltender mit der Freude, aber auch für mich ist es ebenfalls wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Es gibt zu viele Ungewissheiten auf dem Weg zum Diplom. Ich freue mich jedoch auf das bevorstehende Praktikum und bin sehr gespannt darauf.

Du Zita bist bereits seit Studienbeginn Alumni-Mitglied mit einer Friends-of-Alumni-Mitgliedschaft. Was waren deine Gründe, bereits zu Beginn der Ausbildung Mitglied zu werden?

Zita: Ich bin halt eine neugierige Person und mag es, mich mit anderen auszutauschen und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Alumni BZ Pflege war im richtigen Moment am Campus präsent und ich fand die Veranstaltungen interessant, die Alumni anbietet. Darum bin ich gleich Mitglied geworden.

Und du Verena möchtest du später Alumni-Mitglied zu werden?

Verena: Ich kann mir durchaus vorstellen, nach meinem Abschluss ein Alumni-Mitglied zu werden. Im Moment bin ich aber noch mit anderen Themen beschäftigt.

*Verena: Name von der Redaktion geändert.







".....und ich fand die Veranstaltungen interessant, die Alumni anbietet. Darum bin ich gleich Mitglied geworden."

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