FORDEC: Mehr Fakten – mehr Optionen

Ein Skillstraining für Pflegende mit Fachführungsaufgaben


Monika Mannhart besuchte das von Sinisa Delic geleitete FORDEC-Modul am BZ Pflege.

Kürzlich fand im Fachbereich Weiterbildung ein Modul zum Thema «Gruppen und Teams leiten in der Tagesverantwortung» statt. Sinisa Delic, welcher das Modul konzipierte, setzt sich dafür ein, dass Pflegende auch ohne Führungsausbildung in der täglichen Schichtarbeit den Lead in der Fachführung übernehmen können. Dabei spielt eine strukturierte, fokussierte Kommunikation eine zentrale Rolle. Als besonders innovativ hat sich die Methode FORDEC erwiesen, die aus der Luftfahrt kommt und am Berner Bildungszentrum Pflege in Form eines gezielten Skillstrainings mit erfahrenen Pflegenden durchgeführt wird. FORDEC kann bei der bewussten Entscheidungsfindung in anspruchsvollen Situationen der Arbeitsorganisation angewendet werden und hilft, Entscheidungen effektiver zu gestalten.


Als Lehrperson war ich in diesem Modul dabei und konnte den Aufbau von Kernkompetenzen der interprofessionellen Zusammenarbeit wahrnehmen. So sah ich, wie auf eine wertschätzende und entgegenkommende Kommunikation Wert gelegt wurde, wie Werte und ethische Prinzipien für die interprofessionelle Praxis gewahrt und Funktionen und Verantwortlichkeiten geklärt wurden. Meiner Ansicht nach kann der Ansatz FORDEC die interprofessionelle Teamarbeit deutlich stärken.


FORDEC bedeutet nach Pateisky (2006) so viel wie:

Diszipliniertes Üben in einem lernförderlichen Klima

Studierende übernahmen in diesem Modul eine aktive, selbstgesteuerte Rolle und haben eine automatisierte Routine in der Entscheidungsfindung eingeübt, die sie nun in verschiedenen Abteilungssituationen situativ anwenden können. Nach der Weiterbildung sind sie in der Lage, durch Faktenklärung den Kern eines Problems systematisch zu identifizieren, Optionen zu entwickeln und deren Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Sie haben gelernt, eine Entscheidung für eine Option zu treffen, die Inhalte für die Umsetzung zu klären und die Verantwortung für den Entscheid gemeinsam zu tragen. Korrektive Massnahmen können sie in der Phase «Check» begründet ableiten.


Im Modul wurde das vernetzte Denken in fiktiv simulierten Szenarien in einem Expertenkreis von Pflegenden geübt. Mir kam es vor, als ob diese Pflegenden noch nie etwas anderes getan hätten, so routiniert und konzentriert arbeiteten sie die Szenarien durch, so aufeinander abgestimmt probierten sie die verschiedenen Herangehensweisen risikofrei aus. Antrainierte klinische Entscheidungsprozesse und situative Aufmerksamkeit halfen in den gestellten hochkomplexen Arbeitssituationen, Verantwortung für Patienten und Patientinnen zu übernehmen. Mir wurde wieder einmal mehr klar, unter welchem Zeitdruck wir Pflegende unsere Arbeitsleistung erbringen und wie sehr wir dabei auf eine gute Teamzusammenarbeit angewiesen sind.


Gute interprofessionelle Expertenteams könnten ebenfalls von einem solchen Training profitieren. Wenn man sich gemeinsam weiterbildet, lernt man die Funktionen und Verantwortlichkeiten der anderen besser zu verstehen. Dadurch kann sich eine Kultur des gegenseitigen Respekts und des Vertrauens im interprofessionellen Team entwickeln.


Ich habe darüber nachgedacht, ob ein solches Modul der Beginn einer interprofessionell angelegten Weiterbildung sein könnte. Denn eine funktionierende interprofessionelle Zusammenarbeit ist in der Arbeitswelt eine unverzichtbare Ressource. Das gilt ganz besonders, wenn gespart werden muss.



Monika Mannhart

Dipl. Gesundheits- und Pflegexpertin FH

Lehrperson Fachbereich Weiterbildung

Vorstandsmitglied Alumni BZ Pflege




Quellen und weiterführende Literatur

  • Pateisky: Warum Rumpelstilzchen scheitern musste oder: Wie treffe ich bessere Entscheidungen – alleine und im Team? Teil 1. In: Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe. (24, 3), 2006, S. 14–16.

  • Hofinger, G., Proske, S., Soll, H. & Steinhardt, G. (2013). FOR-DEC & Co. In R. Heimann, S. Strohschneider, & H. Schaub (Hrsg.), Entscheiden in kritischen Situationen: Neue Perspektiven und Erkenntnisse, S. 119-137. Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft.

  • Hörmann, H. J. (1994). FOR-DEC - A Prescriptive Model for Aeronautical Decision Making. 21. WEAAP-Conference, Dublin, 28.-31.03.94.

  • Strohschneider, S. (2012). Human-Factors-Training. In P. Badke-Schaub, G. Hofinger & K. Lauche (Hrsg.), Human Factors (2. Aufl.), S. 313-331. Berlin: Springer.

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